Sestao

Die Stadt Sestao, 11 km von Bilbao entfernt, liegt am linken Ufer des Bilbao-Flusses, wo sich viele Gemeinden der Biskaya entwickelten, und ist geprägt von ehemaliger Stahlindustrie. Die Gesamtfläche beträgt 3,5 Quadratkilometer, wovon nur 0,9 Quadratkilometer für Wohnungen (28.800 Einwohner), die übrige Fläche mit Industrie belegt sind. Die industrielle Entwicklung fand vor allem im 19ten Jahrhundert statt. Der das Projekt betreffende Stadtteil liegt im südlichen Bereich von Sestao und ist am stärksten von der Deindustrialisierung betroffen.

Blast furner Sestao
Sestao buildings
Sestao flygfoto

Der Bezirk und der Gebäudebestand

Der Bezirk hat sehr unter dem 1995 beginnenden Deindustriealisierungsprozess gelitten. Die Arbeitslosenquote liegt hier etwa 30% über dem Rest der Stadt. Verglichen mit anderen Gemeinden hat der Stadtteil ca. 20% mehr Arbeitslose. Die Bevölkerung besteht aus einer Mischung aus Einheimischen und Zuwanderern  mit niedrigem Einkommen und Bildungsstand.

Im innerstädtischen Bereich sind die Gebäude in einem besonders schlechten Zustand. Es handelt sich um einen Bezirk mit Wohngebäudegruppen, die Anfang des 20ten Jahrhunderts nahe den Industriestandorten in der Innenstadt von Sestao gebaut wurden, damit die  Arbeiter in der Nähe ihrer Arbeitsstätte wohnen konnten. Faktisch wurden die Häuser aus Holz gebaut mit einer Subventionsstruktur, die zu schlecht belüfteten Innenräumen mit  fehlendem Tageslicht führten.

Die meisten Gebäude befinden sich in Privateigentum, einige sind öffentliche Gebäude. Alle Gebäude sind Wohngebäude. Der Bestand an Wohngebäuden besteht zumeist aus schlecht erhaltenen 80 bis 100 Jahre alten Holzkonstruktionen.

  • 1.300 Einwohner im Bezirk
  • 24.509 m2 Fläche werden saniert
  • 258 Eigentümer mit Familien sind Bewohner der zu modernisierenden Häuser
  • 258 Wohnungen werden saniert.
Map Sestaoberri red

Technische und nicht-technische Maßnahmen

Sestao hat sich dazu verpflichtet das Viertel so zu sanieren, dass Abfälle, Kosten und CO2-Emissionen im Vergleich zu Abriss und Neubau geringer ausfallen.

  • Gebäudetypologien mit natürlicher Querlüftung und Nord-Süd-Orientierung
  • Räume und Bereiche mit Tageslichteinfall
  • Nachhaltige Materialien: Holz, vorgefertigte Gipsplatten, von Schreinerei gefertigt Holzbauteile
  • Zentrale Biomassekessel zur Warmwasserbereitung und Beheizung (20%) sowie Sonnenkollektoren für Warmwasser und Raumheizung (80 %).
  • Sonnenschutz für Fassaden
  • Thermische Trennung zur Vermeidung von Wärmebrücken
  • Reduzierung von Transmissionswärmeverlusten
  • Erneuerung von Fenstern
  • Energetische Bewertung über den Mindestanforderungen (d) laut Reglement der CTE in Spanien
  • Verbesserung der Gebäudelüftung
  • Aufzüge mit (Brems-)Energierückgewinnungssystem
  • Programmierbare Thermostate für Heizungsanlagen
  • Automatische Ein-/Ausschalter in den öffentlichen Bereichen der Gebäude. Energiesparende Beleuchtungssysteme an Orten mit langen Betriebszeiten (> 3 h)
  • Förderung der Fahrradnutzung durch Erleichterung von Abstellmöglichkeiten

Auswirkungen im Stadtteil

Da sich die meisten Demonstrationsvorhaben im Privatbesitz befinden, werden die Maßnahmen zur energetischen Modernisierung keine signifikanten Auswirkungen auf Mieten haben. Allerdings werden diese Maßnahmen zu einer höheren Bewertung der Gebäude führen und ihren Marktwert steigern.

Die Sanierungen werden auch zu einer Veränderung der Eigentümerstruktur führen, im Sinne einer Public-Private-Partnership. Zur Durchführung der Sanierungsarbeiten ist es notwendig, dass die öffentliche Verwaltung einige Gebäude in ihren Besitz übernimmt; nach der Modernisierung werden diese Häuser dann unter besonderen öffentlichen Bedingungen an Private verkauft oder vermietet. Dies bedeutet nicht nur eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse der Wohnungen, sondern auch eine Erneuerung und Verjüngung der Bevölkerung im Bezirk. Die Zuteilung von Wohnungen zu öffentlichen Bedingungen gewährleistet nicht nur den Zuzug neuer Familien, sondern auch die Möglichkeit, dass ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein zu Hause in dem Stadtgebiet erhalten, zu dem sie gehören.

Schließlich wird die Sanierung der Gebäude mittels Energieeffizienzmaßnahmen zu Einsparungen bei den Energiekosten für die Bewohner der sanierten Gebäuden führen. Wir werden keine Vergleichswerte erhalten, denn zurzeit sind in den meisten Gebäuden keine Heizungs- und Warmwassersysteme installiert. Der Energieverbrauch wird sich an Heizung und Warmwasser in neu errichteten Gebäuden orientieren.

Finanzierungsmodell

Die besondere soziale, technische und wirtschaftliche Situation macht es unmöglich, dass Besitzer ihre Immobilien ohne Hilfe sanieren. Die öffentliche Gesellschaft SESTAO BERRI 2010, S.A., kauft die Häuser jener Eigentümer, die nicht in der Lage oder Willens sind, zu sanieren mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss der baskischen Regierung und der Stadt Sestao und subventioniert zu fast 50% die Sanierungskosten der betroffenen Eigentümer. Die Arbeiten werden, sobald saniert, mit dem Verkauf der Häuser finanziert.

Die wichtigsten Herausforderungen

Die aktuelle wirtschaftliche Situation, besonders in Sestao, wo die höchste Arbeitslosenquote in der Region herrscht. Die meisten Gebäude, in denen wir handeln, sind in Privateigentum und die Sanierungsanforderungen sind umfangreich, so dass sie für jeden Bauherrn  (auch mit Unterstützung) einen großen finanziellen Aufwand bedeuten.

Die Arbeiten beginnen im letzten Quartal 2013 und dauern bis 2018.