Aachen

Die Stadt Aachen hat 248.000 Einwohner und liegt im Westen Deutschlands an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden. Die Stadt ist geprägt durch Wissenschaft und Forschung mit über 50.000 Studenten. Der Bereich Aachen Nord besitzt eine heterogene Stadtstruktur mit einer Mischung aus neueren und alten gewerblichen Gebäuden und Wohnbauten. Im Zuge der Entwicklung der letzten 80 Jahre findet man dort viele historische Wohngebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Daher liegt der Schwerpunkt der Stadtplanung auf der Modernisierung dieser denkmalgeschützten Bauten, sowie auf der Steigerung der Attraktivität des Stadtteils.

Der Stadtteil Aachen Nord (300 ha, 15500 Einwohner) ist auch Teil eines mehrjährigen Stadterneuerungsprogramms „Soziale Stadt“.  Von den Modellstandorten, die Pilotprojekte im Rahmen von EU-GUGLE darstellen, sind über 1500 Bewohner in den Gebäuden direkt betroffen.

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Der Gebäudebestand

Vier verschieden Typen von Gebäuden werden behandelt: Historische Wohnhäuser aus den 20er und 30er Jahren sowie mehrstöckige Mehrfamilienhäuser aus den 70er Jahren. Ihr baulicher Zustand, sowie ihre energetische Versorgung werden in den kommenden Jahren verbessert. Neben den energetischen Aspekten spielen im Stadterneuerungsprogramm Soziale Stadt auch Freiraum- und Freizeitbereiche, Wohnungs- und Lebensqualität, Plätze für Kulturangebote, soziale Einrichtungen, die Integration von Gewerbe und der Straßenraum eine Rolle. Ziele und Maßnahmen zur Energieeinsparung sind lediglich für die in EU-GUGLE involvierten Gebäude definiert.

Der Pilotstadtteil in Zahlen

  • 41688 m²  werden modernisiert
  • 1500 Einwohner leben in den zu sanierenden Gebäuden
  • 391 Wohnungen werden modernisiert

Integrierte Lösungen in Aachen

Technische Maßnahmen

  • Dämmung von Fassaden, Dächern, Kellerdecken und Fenstertausch
  • Lüftung mit Wärmerückgewinnung
  • Wärmerückgewinnung aus dem Abwasserkanal mittels Wärmepumpen, Niedertemperaturwärmenetz
  • Nahwärmenetz
  • Technisches Kontrollsystem für Wärme, Strom und Beleuchtung
  • Solarenergienutzung und effiziente Gasthermen
  • Bewegungsmelder-gesteuerte Beleuchtung
  • Smart Meter

Nicht-technische Maßnahmen

Energieeffizienzmiete und andere Vereinbarungen mit Mietern, technische Maßnahmen (Temperatur auf Nachfrage), Kommunikation und Beratung, um den Energieverbrauch durch Verhaltensänderung der Nutzer zu senken.

Finanzierungsmodell

Die Gebäude befinden sich zum größten Teil im Eigentum der Stadt Aachen (75%) und zu 25% im Besitz der Wohnungsgesellschaft GEWOGE, an der die Stadt beteiligt ist. Die GEWOGE verwaltet den gesamten Gebäudebestand.

Einige Energieversorgungssysteme sollen mit Hilfe von Contractingmodellen des lokalen Energieversorgers realisiert werden. Die Investition in die Technik, der Betrieb und  die Wartung sind in einer Hand. Dies bietet die Möglichkeit für optimierte Lösungen. Die CO2-Emissionen sollen auch durch erneuerbare Energieversorgung gesenkt werden. Weitere Möglichkeiten werden analysiert und getestet.

Wirkung auf den Stadtteil

Die Primärenergieeinsparungen können auf Basis von Schätzungen im EU-GUGLE Pilotstadtteil Aachen Nord bis zu 65% betragen. Die geplanten Maßnahmen stellen Beispiele für energieeffiziente Sanierungen dar, die zur unmittelbaren Nachahmung geeignet sind, einerseits in anderen Wohngebäuden der Stadt und der GEWOGE (370 Wohnungen von 7000 sind direkt involviert), andererseits in vielen privaten Gebäuden, insbesondere, wenn diese unter Denkmalschutz stehen und in naher Zukunft modernisiert werden sollen.

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Sozioökonomische Wirkung

Einige der Gebäude in Aachen werden im bewohnten Zustand saniert. Viele BewohnerInnen  leben schon sehr lange in den Wohnungen und zahlen verhältnismäßig niedrige Mieten. Gemäß der deutschen Gesetzgebung können Sanierungsmaßnahmen in Teilen auf die Miete umgelegt werden und dem/der EigentümerIn zur schnelleren Amortisation verhelfen.  Dies stellt ein Problem für BewohnerInnen mit niedrigen Einkommen dar. Andere Gebäude sind zum Zeitpunkt der Sanierung entmietet, sodass eine Anpassung der Miete einfacher ist. Die verschiedenen Möglichkeiten und ihre Auswirkungen sollen daher untersucht werden. Untersucht werden soll ebenfalls, wie sich ein hohes Informationsangebot und die Transparenz des Energieverbrauchs auf die beabsichtigten Energieeinsparungen auswirken.

Die wichtigsten Herausforderungen

Die wichtigste Herausforderung des Projekts in Aachen stellt  die Realisierung von ehrgeizigen Maßnahmen in einer möglichst wirtschafltichen Weise dar, sodass die Mieten auch nach der Sanierung auf einem sozialverträglichen Niveau bleiben können, da die meisten betroffenen BewohnerInnen nur geringe Einkommen haben oder Sozialhilfe erhalten. Die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen in denkmalgeschützten Gebäuden stellt eine weitere Herausforderung dar. Dabei müssen, gute integrierte bauliche und energetische Maßnahmen gefunden werden, die mit dem Denkmalschutz vereinbar sind.

Masterplan 2030

Die lokale Energie- und Klimaschutzstrategie ist im Masterplan 2030 beschrieben sowie im Energiepolitischen Arbeitsprogramm zu finden (Teil des Bürgermeisterkonvents und des European Energy Awards). Viele InteressensvertreterInnen wurden miteinbezogen und im Laufe der Zeit entwickelte sich ein Diskussionsprozess zu energiepolitischen Themen in der Stadt. Dies ist eine solide Basis für das Projekt EU-GUGLE.